Geschichtensäckchen für die Krippe: erzählen mit Dingen in der Hand
Ein Geschichtensäckchen ist ein Stoffbeutel, aus dem beim Erzählen nacheinander die Figuren und Gegenstände einer kleinen Geschichte kommen. Für Kinder unter drei ist das oft der einzige Weg, einer Erzählung wirklich zu folgen: Sie hören nicht nur zu, sie sehen, was gerade passiert.
Der Aufwand ist gering, der Effekt in der Krippe groß. Ein Säckchen ist in einer halben Stunde gebaut und trägt dann monatelang.
Warum das Säckchen bei den Jüngsten wirkt
Ein Zweijähriger kann einer rein gesprochenen Geschichte selten länger als eine Minute folgen. Das liegt nicht an der Aufmerksamkeit, sondern daran, dass die Worte allein noch zu wenig Bild ergeben.
Kommt bei jedem neuen Satz ein Gegenstand aus dem Beutel, verschiebt sich das. Das Kind sieht, wovon die Rede ist, und die Spannung, was als Nächstes herauskommt, hält die Runde zusammen. Der Beutel selbst ist dabei die halbe Miete: Was darin verborgen ist, will gesehen werden.
Der zweite Grund ist die Wiederholung. Ein Geschichtensäckchen wird nicht einmal erzählt, sondern über Wochen. Beim fünften Mal sprechen die Kinder mit, beim zehnten holen sie die Figuren selbst heraus und erzählen es sich gegenseitig.
Ein Säckchen bauen
Die Geschichte zuerst. Sie sollte kurz sein, fünf bis sieben Sätze, und einen wiederkehrenden Satz haben, den die Kinder mitsprechen können. Eigene, einfach erfundene Geschichten funktionieren dafür oft besser als Buchvorlagen, weil man sie auf die Gegenstände zuschneiden kann, die man ohnehin hat.
Fünf bis sieben Gegenstände. Pro Satz einer. Mehr überfordert, weniger trägt die Erzählung nicht.
Echte Dinge vor Bildern. Ein Stück Fell, ein Holzlöffel, ein Stein, eine kleine Figur. Für die Krippe gilt wie überall: größer als ein Tischtennisball.
Ein Beutel, kein Karton. Der Stoff verbirgt und lässt sich ertasten. Viele Kinder greifen hinein, bevor sie hineinsehen, und das ist ein guter Moment.
Drei Geschichten zum Nachbauen
Der Spaziergang Ein Kind geht los und findet nacheinander: einen Stein, ein Blatt, eine Feder, eine Schnecke, eine Pfütze. Wiederkehrender Satz: „Und was findet es dann?“
Wer wohnt im Baum? Aus dem Beutel kommen Vogel, Eichhörnchen, Käfer, Specht, Eule. Jedes Tier bekommt eine Bewegung, die die Kinder mitmachen.
Das Frühstück Teller, Tasse, Löffel, Apfel, Brot. Alltagsgegenstände, die jedes Kind kennt, und genau deshalb ein guter Einstieg für die ganz Kleinen.
Alle drei kommen ohne fremde Vorlage aus und lassen sich mit dem bauen, was in jeder Einrichtung herumliegt.
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Das Säckchen im Alltag einsetzen
Der Morgenkreis ist der naheliegende Ort, aber nicht der einzige. In der Krippe wirkt ein Geschichtensäckchen oft besser in den Randzeiten: beim Warten aufs Mittagessen, in der Zeit zwischen Abholen und Abgeholtwerden, wenn nur noch vier Kinder da sind.
Wichtig ist der feste Ablauf. Immer derselbe Anfangssatz, immer dieselbe Reihenfolge, immer dasselbe Ende. Die Kinder erkennen daran, dass jetzt Geschichte ist, und beruhigen sich, noch bevor die erste Figur draußen ist.
Wenn die Kinder selbst erzählen wollen
Nach einigen Wochen greifen die Kinder von sich aus nach dem Beutel. Das ist der eigentliche Ertrag, und man sollte ihn nicht abbrechen, auch wenn dabei eine ganz andere Geschichte herauskommt als die geübte.
Praktisch heißt das: Das Säckchen wandert nach der gemeinsamen Zeit in ein offenes Regal, wo die Kinder es holen dürfen. Was dann passiert, hat mit der ursprünglichen Geschichte oft wenig zu tun, aber es ist Sprache, und darum ging es von Anfang an.
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Häufige Fragen zum Geschichtensäckchen
Ab welchem Alter eignet sich ein Geschichtensäckchen?
Ab etwa 18 Monaten. In diesem Alter geht es weniger um die Handlung als um das Nacheinander: Etwas kommt heraus, wird benannt, wird angefasst. Ab zwei Jahren tragen einfache Handlungen, ab drei Jahren können die Kinder die Geschichte selbst nacherzählen.
Wie viele Gegenstände gehören hinein?
Fünf bis sieben, einer pro Satz der Geschichte. Weniger trägt die Erzählung nicht, mehr überfordert. Für Kinder unter zwei reichen auch drei.
Darf man Geschichten aus Bilderbüchern nehmen?
Zum Erzählen in der Gruppe ja, das ist alltägliche pädagogische Praxis. Wer eigene Geschichten erfindet, hat es allerdings leichter, weil sich die Handlung dann an den Gegenständen entlang bauen lässt, die ohnehin vorhanden sind.
Wie oft wird dieselbe Geschichte erzählt?
So lange, wie die Kinder sie hören wollen, und das sind meistens viele Wochen. Wiederholung ist bei den Jüngsten kein Mangel an Abwechslung, sondern die Bedingung dafür, dass eine Geschichte überhaupt ankommt.