Fingerspiele im Kindergarten: Texte mit Bewegungsanleitung für jede Jahreszeit
Ein Fingerspiel ist das kleinste Werkzeug im Kita-Alltag und oft das wirksamste. Es braucht kein Material, keine Vorbereitung und keinen freien Raum. Zwei Hände reichen, und aus einer unruhigen Runde wird innerhalb von zwei Minuten eine aufmerksame Gruppe.
Auf dieser Seite findest du elf Fingerspiele als Bildkarten, jeweils mit dem vollständigen Text und der passenden Bewegung zu jeder einzelnen Zeile. Du kannst sie am Bildschirm mitlesen oder ausdrucken, laminieren und in die Themenkiste legen. Unter den Karten steht zu jedem Spiel, für welches Alter es passt, wann im Tagesablauf es wirkt und was sich in der Praxis bewährt hat.
Elf Fingerspiele mit Text und Bewegungsanleitung
Die folgenden elf Karten decken das ganze Jahr ab: Frühling, Sommer, Herbst und Winter, dazu Tiere und Wetter. Jede Karte enthält den kompletten Verstext, darunter kursiv die Bewegung zu jeder Zeile. Nichts davon musst du auswendig können, bevor du anfängst. Ein Blick auf die Karte im Sitzkreis genügt, die Kinder merken das nicht.
Bild erstellt mit Midjourney
Bild erstellt mit Midjourney
Bild erstellt mit Midjourney
Bild erstellt mit Midjourney
Bild erstellt mit Midjourney
Fingerspiele für Frühling, Sommer und Tiere
Der Frühling klopft an
Ein Begrüßungsspiel für den ersten warmen Morgen. Der Winter winkt zum Abschied, es klopft, und am Ende strecken sich die Arme weit auseinander. Der Klopf-Moment ist der Haken: Kinder warten darauf und werden dabei ganz still. Ab drei Jahren, im Morgenkreis der ersten Frühlingswochen.
Zwei Blumen im Frühling
Zwei Fäuste wachsen langsam zu offenen Händen, eine groß, eine klein. Das Spiel arbeitet mit Tempo statt mit Text: Wer die Blumen wirklich langsam wachsen lässt, hat die Gruppe sofort. Passt zu jedem Blumen- oder Wachstums-Projekt und funktioniert auch ohne Worte, nur mit den Händen vorgemacht.
Die Sonne lacht
Große Bewegungen, viel Raum: Arme über den Kopf zu einem Kreis, Finger als Sonnenstrahlen, Fäuste als Blüten, die sich öffnen. Weil hier der ganze Oberkörper mitmacht, eignet es sich gut als Übergang vom Toben zum Sitzen. Sommer und später Frühling, ab zwei Jahren mit verkürztem Text.
Das Fischelein
Eine flache Hand schwimmt in Wellenlinien, springt aus dem Wasser und flitzt im Zickzack durch die Stromschnellen. Das schnelle Ende macht es zum Liebling, und die Wiederholung ist hier ausdrücklich eingebaut. Ideal für Wasser-, Teich- und Sommerprojekte, im Bewegungsraum auch im Stehen spielbar.
Der Regenwurm
Der Zeigefinger kriecht suchend durch die Luft und verschwindet in einer Faust, dem Loch. Beim Wechsel von dunkel zu hell wandern die Hände vor die Augen. Kinder lieben dieses Spiel, weil sie das Verstecken selbst mitmachen können. Perfekt für Wald-, Garten- und Regentage, funktioniert schon in der Krippe.
Fingerspiele für Herbst und Winter
Zwei Herbstblätter
Zwei flache Hände segeln, sinken zu Boden und rascheln. Am Ende zeigst du auf ein Kind, und genau dieser Moment hält die Runde zusammen, weil jedes Kind hofft, gemeint zu sein. Leise Bewegungen, deshalb mitten im Morgenkreis einsetzbar, ohne die Gruppe aufzudrehen. Ab zwei Jahren.
Blätter fliegen
Hier dürfen die Arme arbeiten: heben, sinken, kreisen, fangen. Das bewegteste der Herbstspiele und damit auch im Stehen oder draußen unter echtem Blätterregen ein Treffer. Für die Krippe reichen die ersten vier Zeilen, das Fangen kommt dazu, sobald das Spiel sitzt.
Der Herbst
Das große Jahreszeiten-Spiel mit allem, was der Herbst zu bieten hat: fallende Blätter, Wind, steigende Drachen, der Igel im Blätterberg. Es ist das längste der Sammlung und passt ab etwa drei Jahren. Bei jüngeren Gruppen die Strophen über mehrere Tage verteilen, so wächst das Spiel über eine Woche zusammen.
Schneeflocken tanzen
Fünf Flocken tanzen im Wind, landen auf der Hand und schmelzen davon. Fließende, wellenförmige Bewegungen machen es zum ruhigsten Spiel der Sammlung, fast eine kleine Entspannungsübung. Passt ans Ende des Morgenkreises oder vor den Mittagsschlaf.
Schneeflocken schmelzen
Eine Flocke landet, kitzelt an den Fingerspitzen und ist schwupp wieder fort, bis die Sonne kommt und alle Arm in Arm kuscheln. Das Kitzeln ist der Moment, auf den die Kinder warten. Kurz, sanft, mit klarem Ende und deshalb das beste Spiel dieser Seite für die Krippe.
Fünf Finger frieren
Der Winter-Klassiker: Fünf Finger stehen im Schnee, der Frost zwickt, dann kommt der rettende Handschuh und am Ende wird geklatscht. Die Dramaturgie aus Anspannung und Erlösung funktioniert schon bei Zweijährigen, weil Frieren und Aufwärmen körperlich nachvollziehbar sind. Passt wunderbar vor dem Rausgehen, wenn die Handschuhe ohnehin Thema sind.
Fingerspiele für den Sommer
Im Sommer wandern die Fingerspiele nach draußen: in den Schatten unterm Baum, an den Rand des Planschbeckens oder in den Morgenkreis im Garten. Zwei Sommer-Fingerspiele findest du oben als Bildkarten zum Mitspielen:
Die Sonne lacht
Die Hände formen eine große Sonne über dem Kopf, die Finger werden zu Sonnenstrahlen, die alle Kinder kitzeln. Ein fröhlicher Start in den Sommertag, der schon mit den Jüngsten funktioniert.
Das Fischelein
Die flache Hand schwimmt wie ein Fisch durch die Luft, taucht ab, springt über Wellen und versteckt sich am Ende hinter dem Rücken. Passt wunderbar zu Wassertagen und lässt sich prima mit den Wasserspielen im Kindergarten verbinden.
Beide Karten kannst du dir merken oder ausdrucken und direkt im Morgenkreis einsetzen. Sommer-Themen wie Sonne, Wasser, Eis und Käfer holen die Jahreszeit in den Kreis, ganz ohne Material.
Fingerspiele für Krippe und U3: kurz und einfach
Für die Kleinsten gelten eigene Regeln. Ein gutes Krippen-Fingerspiel ist:
- Kurz: Vier bis sechs Zeilen reichen völlig. Die Aufmerksamkeit der Jüngsten ist kostbar und knapp.
- Langsam: Jede Bewegung bekommt Zeit. Die Kinder schauen erst lange zu, bevor die eigenen Finger mitmachen.
- Wiederholbar: Dasselbe Fingerspiel über Wochen täglich. Was Erwachsene langweilt, gibt Kleinkindern Sicherheit.
- Körpernah: Krabbelnde Finger auf dem Arm, ein Kitzeln am Bauch. Bei U3 ist das Fingerspiel auch Berührung und Bindung.
Bewährte Muster sind das Krabbeltier, das den Arm hinaufwandert, die Finger, die nacheinander aufwachen und wieder schlafen gehen, und der Regenwurm von der Bildkarte oben. Mehr für die Kleinsten findest du im Morgenkreis U3 und bei den Angeboten für die Krippe.
Kurze Fingerspiele für zwischendurch
Nicht jede Situation verträgt ein Spiel mit sechs Strophen. Vor dem Händewaschen, in der Warteschlange an der Garderobe oder in den zwei Minuten, bis das Essen kommt, braucht es etwas, das nach vier Zeilen fertig ist.
Aus der Sammlung oben eignen sich dafür besonders Schneeflocken schmelzen, Zwei Blumen im Frühling und Der Regenwurm. Bei allen anderen gilt: Du darfst kürzen. Ein Fingerspiel ist kein Gedicht, das vollständig aufgesagt werden muss. Nimm die erste und die letzte Strophe, lass die Mitte weg, und niemand vermisst sie. Was die Kinder wollen, ist der vertraute Anfang und der Schlusspunkt, auf den sie warten.
Zweiter Trick für Wartezeiten: dasselbe Spiel dreimal hintereinander, jedes Mal leiser. Beim dritten Durchgang nur noch flüstern und die Bewegungen ganz klein machen. Das funktioniert zuverlässiger als jede Ermahnung.
Ideen für das ganze Jahr im Kita-Ideen Paket!
bei über 900 Erzieherinnen und Erziehern bereits im Einsatz
Fingerspiele mit Anleitung: warum die Bewegung unter jeder Zeile steht
Die meisten Fingerspiel-Sammlungen liefern nur den Text. In der Praxis scheitert es aber selten am Text, sondern an der Frage, was die Hände in Zeile drei eigentlich tun sollen. Deshalb steht auf jeder Karte hier unter jeder einzelnen Zeile die passende Bewegung, kursiv und konkret genug, um sie ohne Übung sofort mitzumachen.
Drei Dinge aus der Praxis, die in keiner Anleitung stehen: Mach die Bewegungen größer, als sich richtig anfühlt, denn aus zwei Metern Entfernung sieht ein Kind kleine Fingerbewegungen nicht. Sprich langsamer, als du denkst, besonders bei den Jüngsten, deren Hände dem Text hinterherhinken. Und erkläre nichts vorher. Spiel es einfach vor, ohne Ankündigung. Erklären hilft bei Fingerspielen erstaunlich wenig, Vormachen ist alles.
So leitest du ein Fingerspiel an: Schritt für Schritt
Ein Fingerspiel braucht keine Vorbereitung, aber eine gute Einführung. So gelingt sie:
- 1. Erst zeigen: Du spielst das Fingerspiel einmal komplett vor. Die Kinder schauen nur zu, das ist ausdrücklich erlaubt.
- 2. Langsam mitmachen lassen: Beim zweiten Durchgang machen die Hände mit, der Text kommt noch allein von dir.
- 3. Text in Häppchen: Zeile für Zeile sprechen die Kinder mit. Kein Kind muss, jedes darf.
- 4. Täglich wiederholen: Nach einer Woche können es alle, nach zwei Wochen fordern die Kinder es ein.
- 5. Kinder übernehmen lassen: Der schönste Moment: Ein Kind leitet das Fingerspiel selbst an. Größer wird Selbstwirksamkeit im Morgenkreis nicht.
Fingerspiele sind nebenbei Sprachförderung in Reinform: Rhythmus, Reim und Bewegung verankern Wörter tiefer als jedes Bildkarten-Training. Mehr dazu auf Sprachförderung im Kindergarten.
Fingerspiele zum Ausdrucken
Alle elf Karten auf dieser Seite lassen sich direkt ausdrucken. Bewährt hat sich, sie zu laminieren und nach Jahreszeiten sortiert in die jeweilige Themenkiste zu legen, statt sie in einem Ordner zu sammeln. Ein Ordner wird nicht aufgeschlagen, eine Kiste, die im September ohnehin herausgeholt wird, schon.
Für Vertretungskräfte und neue Kolleginnen ist eine laminierte Karte im Gruppenraum außerdem Gold wert: Sie kann ein Fingerspiel anleiten, ohne es zu kennen, weil Text und Bewegung zusammen auf einem Blatt stehen.
Fingerspiele durch das Jahr: die passende Sammlung je Saison
Die Karten oben decken alle Jahreszeiten ab. Wenn du für eine bestimmte Saison mehr brauchst, gibt es dafür eigene Sammlungen mit zusätzlichen Spielen und Praxistipps:
Winter: Fingerspiele für den Winter mit Schnee, Frost und Advents-Ideen, dazu Tipps für die Krippe.
Herbst: Fingerspiele im Herbst rund um Blätter, Igel, Wind und Kastanien.
Frühling und Sommer: die Karten und Abschnitte auf dieser Seite, ergänzt durch die Morgenkreis-Ideen für saisonale Kombinationen aus Lied, Spiel und Fingerspiel.
Ein Hinweis aus der Praxis zum Wechseln: Tausch die Spiele nicht am Kalenderdatum, sondern wenn das Wetter es vormacht. Das erste Fingerspiel mit fallenden Blättern wirkt an dem Tag, an dem die Kinder draußen durchs Laub gelaufen sind, dreimal so gut wie am 1. September.
Hier bekommst du eine große Auswahl meiner eigenen kurzen, einfachen Kinderlieder. Alle Liedtexte mit Akkorden + ausgewählte Noten als PDF-Version zum Download! Perfekt für die Kita oder den Kindergarten, um neue Lieder in die Gruppen zu bringen.
Verwandte Themen
Fingerspiele für den Winter
Fingerspiele im Herbst
Kinderreime für Kita und Kindergarten
Lieder für den Morgenkreis
Kreisspiele für den Kindergarten
Kreisspiele für die Krippe
Ohne feste Handbewegung, aber mit demselben Effekt: Kinderreime für Kita und Kindergarten, fünf kurze Reime zum Mitsprechen und Ausdrucken.
Häufige Fragen zu Fingerspielen im Kindergarten
Wo finde ich Fingerspiele mit Text zum Mitlesen?
Alle elf Fingerspiele auf dieser Seite stehen als Bildkarten mit vollständigem Text bereit, und unter jeder Zeile steht die passende Bewegung. Du kannst sie am Bildschirm mitlesen oder ausdrucken und laminieren. Für Winter und Herbst gibt es zusätzlich eigene Sammlungen mit weiteren Texten.
Welche Fingerspiele eignen sich für die Krippe?
Kurze Spiele mit wenigen Zeilen, klaren Bewegungen und einem deutlichen Ende. Aus dieser Sammlung passen Schneeflocken schmelzen, Der Regenwurm und Zwei Blumen im Frühling am besten. Wichtig ist weniger die Auswahl als die Wiederholung: dasselbe Spiel täglich zur selben Zeit, über Wochen.
Wie lang darf ein Fingerspiel im Morgenkreis sein?
Zwei bis drei Minuten reichen völlig, lieber zweimal dasselbe Spiel als eines, das zu lang wird. Längere Spiele wie Der Herbst lassen sich über mehrere Tage aufbauen, indem du erst zwei Strophen spielst und die nächsten später dazunimmst.
Ab welchem Alter kann man Fingerspiele machen?
Ab etwa einem Jahr schauen Kinder gebannt zu und ahmen erste Bewegungen nach, das Zuschauen gehört ausdrücklich dazu. Ab zwei Jahren machen die meisten Hände mit, ab drei sprechen Kinder ganze Zeilen mit. Kein Kind muss mitmachen, und die stille Phase am Anfang ist völlig normal.
Wie führe ich ein neues Fingerspiel ein?
Einfach vorspielen, ohne Erklärung und ohne Aufforderung. Am zweiten Tag machen die ersten Hände mit, nach einer Woche gehört das Spiel der Gruppe. Ein fester Platz im Ablauf hilft, zum Beispiel direkt nach dem Begrüßungslied.
Wo finde ich weitere Fingerspiele und Ideen für die Kita?
Auf dieser Website gibt es frei verfügbare Sammlungen für Winter und Herbst sowie Kinderreime und Morgenkreis-Ideen. Eine große Sammlung mit über 1500 fertigen Ideen für das ganze Kita-Jahr findest du im Kita-Ideen Paket.