Impulse für das Freispiel: kleine Anstöße, die von selbst wirken
Freispiel heißt nicht, dass nichts vorbereitet wird. Es heißt, dass die Vorbereitung im Raum steckt und nicht in der Anleitung. Ein Impuls ist genau das: eine kleine Veränderung, die die Kinder vorfinden und aufgreifen können, wenn sie wollen.
Auf dieser Seite steht, was einen guten Impuls von einem versteckten Angebot unterscheidet, wie man ihn setzt, und was zu tun ist, wenn drei Tage lang niemand hinschaut.
Der Unterschied zum Angebot
Ein Angebot hat ein Ziel und eine Erwachsene, die es begleitet. Ein Impuls hat weder das eine noch das andere. Er liegt da, und was daraus wird, entscheiden die Kinder.
Praktisch erkennt man den Unterschied an einer Frage: Kann man das Material auf mindestens drei Arten benutzen? Ein Korb mit Wäscheklammern kann geklammert, sortiert, gestapelt und zu einer Reihe gelegt werden. Ein Arbeitsblatt kann ausgefüllt werden. Das erste ist ein Impuls, das zweite nicht.
Die zweite Erkennung liegt im eigenen Verhalten: Wenn man sich dabei ertappt, das Ergebnis zu korrigieren, war es kein Impuls. Dann hatte man doch eine Vorstellung, wie es auszusehen hat.
Wo Impulse gesetzt werden
Im Bauteppich: ein neues Material zwischen die Bausteine legen. Korken, Holzscheiben, Röhren, Stoffreste. Die Kinder bauen anders, sobald sich das Material ändert.
In der Puppenecke: die Anordnung verändern statt neues Zubehör bringen. Der Tisch gedeckt für sechs, ein Koffer mitten im Raum, ein Bett anders herum gestellt. Das erzeugt Geschichten.
Am Maltisch: nur eine Farbe anbieten statt aller. Einschränkung ist ein starker Impuls, weil sie zwingt, mit dem Vorhandenen etwas zu erfinden.
Draußen: ein Eimer Wasser neben dem Sandkasten, ein Seil zwischen zwei Bäumen, ein Stapel Bretter. Mehr braucht es meistens nicht.
In der Leseecke: zwei Bücher aufgeschlagen hinlegen statt alle ins Regal. Was offen daliegt, wird angesehen.
Zehn Impulse, die zuverlässig wirken
- Ein Korb mit Wäscheklammern und Karton
- Röhren und Bälle nebeneinander
- Ein Spiegel flach auf dem Boden im Bauteppich
- Naturmaterial in einer Schale mitten im Raum
- Ein Stapel Tücher unterschiedlicher Größe
- Kreide und ein leerer Karton
- Eine Taschenlampe in der dunklen Ecke
- Schnüre, Wäscheklammern und Stühle für Höhlenbau
- Löffel und Gefäße in verschiedenen Größen bei Sand oder Wasser
- Ein Karton, sonst nichts
Der letzte Punkt ist kein Scherz. Ein großer leerer Karton beschäftigt eine Gruppe oft länger als jedes gekaufte Material.
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Beobachten statt eingreifen
Der schwierigste Teil kommt nach dem Setzen. Ein Impuls braucht manchmal drei Tage, bis das erste Kind ihn entdeckt, und in dieser Zeit ist die Versuchung groß, nachzuhelfen. Wer nachhilft, macht aus dem Impuls ein Angebot.
Sinnvoller ist es, in dieser Zeit zu beobachten und mitzuschreiben: Wer geht hin, wie lange bleibt das Kind, was macht es damit, was entsteht daraus. Diese Notizen sind später mehr wert als die Idee selbst, weil sie zeigen, welche Art von Impuls in dieser Gruppe trägt.
Wird ein Impuls nach einer Woche gar nicht beachtet, kommt er weg. Das ist kein Scheitern, sondern Information: zu bekannt, zu kompliziert, oder am falschen Ort.
Wie viele Impulse gleichzeitig
Zwei bis drei in der Woche, verteilt auf verschiedene Bereiche, und nie alles auf einmal verändern. Wenn zu viel neu ist, entsteht dasselbe Problem wie bei zu vielen Aktionstabletts: Die Kinder wandern von Ort zu Ort und vertiefen sich nirgends.
Ein Impuls, der drei Wochen liegen bleibt und in dieser Zeit auf fünf verschiedene Arten benutzt wird, hat mehr bewirkt als fünfzehn, die je einen Tag dalagen.
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Weiter zu vorbereiteten Angeboten und zur Raumfrage:
Häufige Fragen zu Freispiel-Impulsen
Was sind Freispiel-Impulse?
Kleine, vorbereitete Veränderungen im Raum, die das Spiel der Kinder in Gang bringen, ohne dass eine Erzieherin es anleitet. Ein neues Material im Bauteppich, eine ungewohnte Anordnung in der Puppenecke, ein Korb mit Tüchern an einer Stelle, wo sonst keiner steht. Der Impuls ist der Anstoß, das Spiel machen die Kinder.
Wie unterscheidet sich ein Impuls von einem Angebot?
Ein Angebot wird angeleitet und hat ein Ziel, ein Impuls liegt einfach da. Die Kinder entscheiden, ob und wie sie ihn aufgreifen, und oft entsteht etwas ganz anderes als gedacht. Genau das ist erwünscht: Ein Impuls, der nur auf eine Art benutzt werden kann, ist eher ein verstecktes Angebot.
Wie oft sollte man Impulse setzen?
Zwei bis drei in der Woche reichen, und nie alle Bereiche gleichzeitig verändern. Wenn zu viel neu ist, wandern die Kinder umher, statt sich zu vertiefen. Ein Impuls pro Bereich, der ein paar Tage liegen bleibt, wirkt mehr als täglich etwas Neues.
Was tun, wenn ein Impuls nicht aufgegriffen wird?
Liegen lassen und beobachten. Manche Impulse brauchen drei Tage, bis das erste Kind sie entdeckt. Wird ein Impuls nach einer Woche gar nicht beachtet, kommt er weg, und man schaut, woran es lag: zu bekannt, zu kompliziert, oder am falschen Ort.